Abgespeist

Die Einführung eines allgemein verbindlichen Mindestlohns für die Müll-Branche ist dringender denn je. Dies zeigt ein Blick nach Baden-Württemberg, wo die Arbeitslosigkeit geringer ist als anderswo in Deutschland und das Lohnniveau höher. Trotzdem müssen dort viele Männer und Frauen in der Abfallwirtschaft für Löhne arbeiten, die weit unter den Tariflöhnen liegen. ver.di wurde im Südwesten sogar der Fall eines Kraftfahrers bekannt, der als Leiharbeiter mit vier Euro abgespeist wurde.

Die Firma Alba bezahlt über ihre Verleihtochter Euro Recycling Service GmbH (Eures) einem Sortierer oder einer Sortiererin in Karlsruhe 7,50 Euro pro Arbeitsstunde. Der Tariflohn für die gleiche Tätigkeit bei der Stammbelegschaft liegt bei 11,17 Euro. Die Eures-Kolleginnen und Kollegen erhalten zudem sechs Tage weniger Urlaub, keine Jahressonderzahlung wie es der Tarifvertrag vorsieht, also weder ein Weihnachts- noch ein Urlaubsgeld und keine vermögenswirksame Leistungen. Bekannt geworden sind ver.di die Billig-Verträge von Eures, als Alba Nordbaden in Karlsruhe (früher EnBW/Bautrans) 30 Beschäftigte dazu zwingen wollte, ihr Arbeitsverhältnis zu kündigen und die gleiche Arbeit als billige Leihkraft fortzusetzen.

Sie hätten damit insgesamt über ein Drittel weniger verdient. Ein Teil der Kolleginnen und Kollegen hat vor dem Arbeitsgericht gegen die Kündigungen geklagt und Ende September in erster Instanz Recht bekommen. Das Gericht geht von einem Teilbetriebsübergang aus, da Eures künftig die Sortierung über einen Werkvertrag weiter zu den alten Bedingungen beschäftigen werde. Die Leiharbeiter dagegen werden weiterhin mit Niedriglöhnen abgespeist. Sie kommen von Eures und anderen Verleihern, vor allem der Firma Wahl Personal-Service mit Hauptsitz in Rheinland-Pfalz. Ein Teil der Beschäftigten wurde in Polen rekrutiert, andere in den neuen Bundesländern. Darunter waren Fahrer, die zeitweise nur einen Stundenlohn von vier Euro bekamen, obwohl der Tariflohn in der Branche bei 13,18 Euro liegt. Viele der Leasingkräfte haben ihre miesen Arbeitsverträge nur wegen einer Notlage oder auf Druck der Agentur für Arbeit unterschrieben.

Doch wer konnte, hat Eures und Wahl beziehungsweise Alba so schnell wie möglich wieder verlassen. Bei der Suche nach Billig-Fahrern ist Alba/Eures im Südwesten allerdings in den meisten Fällen gescheitert. Fündig wurde man dagegen anderswo, beispielsweise in einem strukturschwachen ländlichen Gebiet in der Pfalz, wo selten über 8,50 bis 9,50 Euro bezahlt werden. Oder in Ostwestfalen, wo Alba/Eures Fahrern einen Stundenlohn von 9,50 bis 10,50 Euro angeboten hat.

Quelle: Fachbereich Ver- und Entsorgung 03 2008